Die Heilbronner Erklärung

"Hat es seit der Erklärung der Menschenrechte nicht schon genug Erklärungen gegeben - wozu brauchen wir eine neue?", mögen manche fragen. Warum also gibt es diese Heilbronner Erklärung? Was hat sie zum Gegenstand und warum hat sie der Welt - oder zumindest der Region Heilbronn-Franken - noch gefehlt?

DNWE-Jahrestagung 2012 in Heilbronn

Eine Heilbronner Erklärung gäbe es wahrscheinlich nicht, hätte 2012 nicht die Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik e.V. (DNWE) in Heilbronn stattgefunden. Als damaliges Vorstandsmitglied des DNWE war es mir gelungen, diese Jahrestagung erstmals nach Baden-Württemberg zu holen. Dies war nur möglich durch die tatkräftige Unterstützung und die Bereitstellung der wunderbaren neuen Räume der German Graduate School of Management and Law (GGS) in Heilbronn. Federführend von der GGS bei der Organisation der Tagung war Prof. Dr. Christopher Stehr, Professor für Internationales Management. Auf seine Initiative geht die Heilbronner Erklärung zurück: "Ich möchte keine Veranstaltung machen, bei der mit dem Schlusswort alles vorbei ist - ich will eine weitergehende Wirkung vor allem für unsere Region entfalten", lautete Stehrs Anspruch.

Formulierung des Textes

Schon Monate vor der Tagung informierte Professor Stehr daher kleine und mittelständische Unternehmen in der Region Heilbronn-Franken über seine Idee einer Heilbronner Erklärung. Sie sollte eine nicht ausschließlich in Worte gefasste freiwillige Selbstverpflichtung auf Themen unternehmerischer CSR-Verantwortung bleiben: die selbst gesetzten Ansprüche sollten nach der Jahrestagung in einem gemeinsamen Prozess der Erstunterzeichner sichtbar und nachweisbar Wirkung entfalten. In zahlreichen Sitzungen hat Professor Stehr 2012 mit vielen Interessenten aus der Wirtschaft einen Text entworfen, der immer wieder überarbeitet und ergänzt wurde. Dieser Prozess war nicht nur eine Zeit des "Schleifens und Feilens" an Formulierungen und Inhalten; es war auch eine Phase der Entscheidung für insgesamt etwa 60 Unternehmerinnen und Unternehmer, ob sie diese Erklärung schließlich auch unterzeichnen und mittragen würden. Elf waren es am Ende - davon die Priebe-Beratung mit Abstand das kleinste Unternehmen.

Umsetzung der Ansprüche

August 2013 bis April 2015 lösten die Erstunterzeichnenden ihr Versprechen ein: Sie machten sich in insg. 9 Workshops gemeinsam auf den Weg, um die eingegangene Selbstverpflichtung nun auch im Unternehmensalltag einzulösen. Dabei mussten formale Unterschiede bei den Teilnehmenden beachtet werden, wie unterschiedliche Unternehmensgrößen oder Branchenzugehörigkeiten. Inhaltlich mussten gemeinsame Ziele, Instrumente und Methoden gefunden und vereinbart werden. In jedem der teilnehmenden Unternehmen wurde dann geprüft und probiert, wie die gemeinsamen Ideen auf die jeweilige Situation angepasst und umgesetzt werden können. Dabei entstand ein eigenes Instrumentarium, mit dem die Teilnehmenden ihre Ist-Situation analysieren und dokumentieren konnten und mit dem sie neue Ziele und Wege zur Verbesserung ihrer CSR-Aktivitäten beschreiben können. Dieser Prozess endete am 5. Mai 2015 in Heilbronn mit der Präsentation der erreichten Ergebnisse.

Ausblick

Christopher Stehrs Vision ist aufgegangen: Die Heilbronner Erklärung hat bereits einige Wirkung entfalten können. Doch wie geht es weiter, wenn die Erstunterzeichnenden ihren Pilot-Prozess abschließen? Es gibt eine zweistellige Anzahl von Unternehmen, welche die Heilbronner Erklärung nach Abschluss der Pilot-Phase auch unterzeichnen möchten. Für sie ist durch die Erstunterzeichner schon viel Vorarbeit geleistet worden. Wie sie konkret den Weg zu einer Einlösung ihrer Selbstverpflichtung beschreiten werden, ist noch nicht abschließend geklärt. Auf jeden Fall werden auch sie Schritte unternehmen, um aus dem eingegangenen Anspruch in ihren Betrieben Wirkung zu entfalten - the beat goes on!